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VLKÖ – Die Nuklearmedizin tritt aus dem Schatten: Interview Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gabriel / Vorstand Institut Nuklearmedizin & Endokrinologie / Kepler Uni-Klinikum Linz

Viele Fächer haben derzeit mit Personalmangel zu kämpfen. In der Nuklearmedizin wird daran gearbeitet, das Fach attraktiver zu machen.


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Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel, Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Foto: ZVG

Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel, Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz, erklärt im Interview mit ÄRZTE EXKLUSIV, warum die Nuklearmedizin oft im Schatten anderer Fächer steht, obwohl sie gerade im diagnostischen und Schilddrüsen-Bereich großes Potenzial hat.

?Wie ist die derzeitige Lage in Ihrer Abteilung? Gibt es Engpässe beim Personal?
Nach der Pensionierung von zwei Oberärzten sind zwei Stellen unbesetzt. Es konnte leider bisher erst eine Interessentin gewonnen werden, die mittlerweile mit der Ausbildung begonnen hat, wodurch personalseitig eine relativ angespannte Situation besteht. Aber nicht nur in unserem Institut ist es schwierig, Interessenten für das klinische Sonderfach Nuklearmedizin zu gewinnen. Hauptsächlich liegt es daran, dass aufgrund des allgemeinen Ärztemangels das Fach Nuklearmedizin relativ unbekannt ist und folglich im Schatten der größeren klinischen Fächer wie Chirurgie, Innere Medizin oder Gynäkologie steht und Ärzte zumeist „zufällig“ aufmerksam werden.

?Welche Entwicklungen stehen in der Nuklearmedizin derzeit an?
In den nächsten Jahren werden überdurchschnittlich viele Fachärzte in den Ruhestand gehen, weshalb sich hier im ärztlichen Bereich eine Lücke auftut. Auf der anderen Seite wird der Bedarf an gut ausgebildeten Fachärzten in Zukunft immer weiter steigen, insbesondere in größeren Krankenanstalten. Weiters zeichnet sich im niedergelassenen Bereich auch ein zunehmender Bedarf an Fachärzten für Nuklearmedizin ab. Diese Fachärzte werden in erster Linie im Versorgungsbereich für Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen benötigt, währenddessen in Zentralkrankenanstalten und universitären Einrichtungen sich die Tätigkeit in der Anwendung von radioaktiven Arzneimitteln in der Diagnose und Therapie bei onkologischen Erkrankungen weiterentwickeln wird und hier auch bedeutendes akademisches Potenzial besteht.

?Welche Entwicklungen wären aus Ihrer Warte wünschenswert?
Bereits im Medizinstudium sollten die Möglichkeiten der Nuklearmedizin den Studierenden in einem größeren Ausmaß vermittelt werden. Vergleichbar mit der Pathologie, die auf Gewebeschnitten typische Merkmale und Eigenschaften von (Tumor-) Erkrankungen darstellt, ermöglicht die funktionelle Bildgebung mit strahlenden Substanzen die Visualisierung von Krankheitsprozessen im lebenden Organismus – quasi in-vivo Pathologie – und eröffnet dadurch in vielen Fällen ein maßgeschneidertes Behandlungskonzept. Diese sogenannte therapiebegleitende Bildgebung wird auch unter dem Begriff Theranostik zusammengefasst. Im engeren Sinn wird die Anwendung von Radiopharmaka zur Diagnostik und Therapie verstanden, bei denen spezifische Pharmaka mit einem diagnostischen Strahler wie zum Beispiel Gallium-68 gekoppelt werden und im Falle einer Speicherung im Tumorgewebe dann auf einen therapeutischen Strahler wie zum Beispiel Lutetium-177 geswitcht werden können. Dieser Ansatz wird bereits bei Patienten mit einem neuroendokrinen Tumor oder einem Prostatakarzinom angewendet und es wäre wünschenswert, dass analog dazu neuentwickelte Anwendungen möglichst rasch von der präklinischen Forschung über klinische Studien in eine breite Patientenanwendung gelangen.

?Welche Argumente sprechen für eine Erhöhung der Ausbildungskapazität im Fach Nuklearmedizin?
In den letzten Jahren hat die PET-CT- Diagnostik die Behandlungsstrategie in vielen Bereichen revolutioniert. Über die anatomisch-orientierte Bildgebung hinausgehend, vermittelt diese Diagnostik den Nachweis bestimmter zellulärer Eigenschaften auf Basis molekularer Marker, die durch den Einsatz von Radiopharmaka visualisiert werden. Die Transformation der Untersuchungsergebnisse in den klinischen Kontext wird die Aufgabe der Nuklearmediziner in Zukunft sein. Radiopharmaka sind vom Prinzip her nicht mit einem Kontrastmittel vergleichbar und somit ist der nuklearmedizinische Diagnoseansatz eindeutig von der radiologischen Diagnostik zu differenzieren. Neben Größe, Form und Ausbreitungsstadium eines Tumors wird die biomorphologische Charakterisierung von Neoplasien immer wichtiger werden, weshalb es mit Sicherheit einen Mehrbedarf an gut ausgebildeten Nuklearmedizinern geben wird. Aber nicht nur in der Onkologie wird die molekulare Bildgebung gefragt sein, auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel in Bezug auf neuartige Behandlungskonzepte bei neurodegenerativen Erkrankungen.

?Was würden Sie sich für die Ausbildung von Nuklearmedizinern wünschen?

Diese Fachdisziplin sollte schon im Medizinstudium ein fixer Bestandteil in bestimmten Ausbildungsmodulen sein. Beispielsweise ist im Medizinstudium der Medizinischen Fakultät der JKU Linz die Nuklearmedizin in einer Reihe von Modulen jetzt schon vertreten. Auch in weiterer Folge sollte nach dem Studium den in Ausbildung befindlichen Ärzten die Chance gegeben werden, dieses Fach näher kennenzulernen. Dazu gilt es von nuklearmedizinischer Seite, Jungärzte im Rahmen von Kursen, klinischen Besprechungen, Fortbildungen, wissenschaftlichen Projekten einzubeziehen. Nachdem in den Instituten und Abteilungen in vielen Fällen nicht die gesamte Palette der möglichen Ausbildungsinhalte angeboten wird, sollten im Rahmen der Facharztausbildung Kooperationen forciert werden.

?Wie könnte die Aufmerksamkeit für das Fach Nuklearmedizin erhöht werden?
Wie die aktuellen Vorkommnisse in Bezug auf einen Brand in einem ukrainischen Kernkraftwerk gezeigt haben, ist radioaktive Strahlung ein wichtiges Thema, wenn es um Katastrophen geht. Die Nuklearmedizin ist auf den Umgang mit offenen strahlenden Quellen spezialisiert; dies trifft aber in erster Linie auf Anwendungen im medizinischen Bereich zu. Gerade in den letzten Tagen hat die Fachgesellschaft in diversen Medienberichten kompetente Informationen darüber geben können, die auch in der Öffentlichkeit großes Gehör gefunden haben. Für die Zukunft gilt es insbesondere, auf die Vorteile der kontrollierten medizinischen Anwendungen durch nuklearmedizinische Therapieverfahren hinzuweisen. Innovative Therapieverfahren finden zum Beispiel beim metastasierten Prostatakarzinom Anwendung. Andererseits wird die Radiojodtherapie beim Schilddrüsenkarzinom bereits seit mehr als fünfzig Jahren erfolgreich angewendet. Allen diesen Anwendungen mit offenen strahlenden Substanzen ist gemein, dass sie subjektiv gut vertragen werden und in den meisten Fällen neben einer Verbesserung der Prognose auch vorteilhaft hinsichtlich Lebensqualität sind. Darüber gilt es, die breite Öffentlichkeit weiter zu informieren.

?Wie könnte die Attraktivität des Faches erhöht werden?
Für angehende Ärzte sollte die Qualität der Ausbildung weiter verbessert werden. Um dem erhöhten Bedarf an fertig ausgebildeten Medizinern Rechnung tragen zu können, ist es erforderlich, Kassenverträge für Fachärzte im niedergelassenen Bereich bzw. bestimmte Kooperationsmodelle zwischen intra- und extramuralem Bereich vorzusehen. Neben der Anstellung im Krankenhaus, was sicherlich auch für Wiedereinsteiger ein interessantes Karrieremodel darstellt, ist der niedergelassene Bereich für fertige Fachärzte eine attraktive Alternative mit einem breiten Betätigungsfeld.

?Wo sehen Sie die Nuklearmedizin in zehn, fünfzehn Jahren?
Die Nuklearmedizin wird innerhalb der diagnostischen Fächer neben der Pathologie, diagnostischen Radiologie und Labormedizin auch zukünftig einen fixen und eigenständigen Platz einnehmen, und es wird mit einer verstärkten fächer­übergreifenden Kooperation zu rechnen sein. Zukünftig wird die Nuklearmedizin noch weiter, nachdem Therapieregime zunehmend individualisiert auf Patienten abgestimmt werden, im Bereich der sogenannten Hightech-Medizin angesiedelt sein. Die nuklearmedizinische Bildgebung ermöglicht ein frühzeitiges Aufspüren krankhafter Prozesse im Körper, noch bevor sich diese in morphologischen Veränderungen manifestieren. Neu entwickelte Radiopharmaka werden die Nuklearmedizin zu einem Big Player in der klinischen Onkologie machen. Demzufolge ist das Wissen einerseits über Veränderungen auf zellulärer Ebene und andererseits über den Angriffspunkt neuer Therapieansätze von zunehmender Bedeutung für Ärzte in diesem medizinischen Sonderfach. Die Kooperation mit anderen naturwissenschaftlichen Fächern, wie Radiopharmazie, Radiochemie und Medizinphysik, wird dabei eine noch größere Rolle spielen, sodass nicht nur naturwissenschaftliches Denken, sondern auch kommunikative Fähigkeiten gefragt sein werden. bw

Kurzbio: Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel

ist seit 2010 Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Davor war er als Oberarzt und Leiter der Therapiestation an der Universitätsklinik für Nuklearmedizin der Medizinischen Innsbruck tätig. Er hält mehrere Funktionen im nuklearmedizinischen Bereich, etwa Präsident-elect im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin und Molekulare Bildgebung (OGNMB) oder eine Vorstandmitgliedschaft der Österreichischen Krebshilfe OÖ. Zahlreiche weitere Mitgliedschaften, Preise, Awards, Reviewertätigkeiten und Autorenschaften machen Prof. Gabriel zu einem der versiertesten Nuklearmediziner des Landes.

Der VLKÖ

Der VLKÖ ist die Plattform leitender Ärzte im Gesundheitswesen. Sie hat engen Kontakt zu über 1.500 Ärzten in Führungsposition und vertritt deren Anliegen und Interessen. Eines der Hauptanliegen des Verbandes ist es, gesundheitspolitische Themen voranzutreiben, um neue, dringend benötigte Lösungsansätze für Probleme, mit denen sich Primarärzte im Berufsalltag konfrontiert sehen, zu diskutieren und so auch zu Verbesserungen beizutragen.
www.leitendekrankenhausaerzte.at


Fachärztin/Facharzt für die Kinder- und Jugendheilkunde

Onkologische Rehabilitation Leuwaldhof Kinder Jugend Reha / St. Veit im Pongau / unterschiedliche Arbeitszeitmodelle möglich

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Fachärzt*innen für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin (w/m/d) mit besonderem Interesse an der Gerontopsychiatrie

Psychosoziale Dienste / Wien / Vollzeit oder Teilzeit

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Leitender Oberarzt / Stellvertretender Chefarzt (m/w/d)

Klinik Schloss Waldleiningen / Mudau, Deutschland / Teilzeit oder Vollzeit